Mit dem Forstamt der Stadt Springe hat der Verein Waldbiene e.V. ein Kooperationsprojekt gestartet. Neben diversen Hilfeleistungen wurde eine kräftige Buche zur Verfügung gestellt. Sie ist stark und groß genug, in ihrem Stamm eine Baumhöhle in ausreichender Größe (ca. 40 Liter) für ein Bienenvolk unterzubringen. Der Verein Waldbiene e.V. schuf diese Baumhöhle nach dem Vorbild der Zeidlerei. Damit ist eine geeignete und sehr naturnahe Behausung für Honigbienen geschaffen worden. Gleichzeitig erlaubt sie die intensive Beobachtung und eine imkerliche Betreuung. Eine Honigernte ist nicht vorgesehen. 


Im Springer Forst brummt es

Am 2. Mai 2019 ist ein Volk mit ca. 30.000 Honigbienen in eine Baumhöhle eingezogen. Dabei handelt es sich um eine Baumhöhle in einer lebenden Buche im Springer Forst, die vom Verein Waldbiene e.V. nach Art der Zeidler ausgehöhlt wurde.

Inzwischen hat sich ein starkes Volk entwickelt.   


Spätsommer: Weichenstellung für die kommende Überwinterung

Im Spätsommer werden die Weichen gestellt, ob ein Volk gesund und gut versorgt durch den Winter kommt. Eine sehr gute Honigsaison liegt hinter uns. Auch unser Volk hat davon profitiert und im Juni reichlich Überschüsse angelegt. Diese werden in den kommenden Wintermonaten überwiegend in Wärme umgesetzt. Wir verzichten deshalb auf eine Zufütterung und vertrauen auf die Haushaltungsinstinkte unseres Bienenvolkes.

Etwas anders verhält es sich mit der Varroa-Parasitierung. An diesen Schädling konnte sich unsere westliche Honigbiene (Apis mellifera) bisher nur unzureichend anpassen. Im Spätsommer steigt die Anzahl der Varroamilben in einem Bienenvolk überproportional an. Wird eine bestimmte Schadensschwelle überschritten, überlebt ein Volk i.d.R. nicht.

Zum ersten Überwinterungsjahr unserer Zeidlerbuche möchten wir das Überleben unseres Bienenvolkes nicht auf’s Spiel setzen. Es muss sich dem Leben in freier Wildbahn anpassen und Überlebensstrategien nach und nach entwickeln. Deshalb entscheiden wir uns für eine integrierte Varroareaktion: Ist ein bestimmter Schwellenwert der Varroaparasitierung überschritten, erfolgt eine Behandlung mit organischen Säuren.


Sommer

27. Juni 2019: Morgens um 8:00 bei ca. 12 Grad: Die Bienen lagern vor. 

17. Juli 2019: Das ganz normale Drohnensterben hat eingesetzt. Eingelegt ist ein Wachstuch. Es dient der Varroakontrolle. Gefunden wurde 1 Milbe in 3 Tagen. 

30. Juni 2019: Die Baumhöhle ist voll ausgebaut. 



Frühling

7. Mai 2019: Wegen der Kälte wurden in der 1. Woche 3x 300ml 0,7:1 Zuckerlösung angeboten. Kondenswasser aus dem Innenraum läuft außen am Stamm herunter. 

19. Mai 2019: Das Wabenwerk wächst schnell und sehr geordnet. Die Baumhöhle ist trockener geworden. 

09. Juni 2019: Die Baumhöhle ist fast ausgebaut. Das Wabenwerk wird von Bienen vollständig abgedeckt.  Spielnäpfe sind zu finden: Erste zaghafte Ansätze für eine beginnende Schwarmstimmung. 



Einzug und Aufbau: Entwicklung des Wabenbaus

3. bis 10. Mai

Die Wetterdaten zeigen für die ersten Tage nach dem Einzug der Bienen (2. Mai) einen extrem ungünstigen Verlauf. Ab dem 2. Tag in der Baumhöhle ist es zu kalt. Unter diesen Bedingungen sind die Bienen nicht in der Lage Nektar zu sammeln. Sie müssen von ihren Reserven leben. Sie verfügen aber nur über Reserven, die sie mitnehmen konnten. Nach 3 Tagen ist dieser Vorrat angeblich verbraucht. Ohne Zufütterung wäre dieses Volk also verloren.    


2. Mai 2019: Der Einzug

 

Der Einzug war erfolgreich. Ein Riesen Schwarm (ca. 3 kg) aus Ronnenberg wurde uns am 1. Mai gemeldet. Eine schnelle Entscheidung war notwendig. Und weil die Rapsblüte in diesem Jahr nicht den Schub entwickelt wie normal, und weil sie auch fast durch ist und nach ihr eine Trachtlücke folgt, haben wir uns trotz der für die Bienen ungünstigen Wetteraussichten für diesen Naturschwarm entschieden. 

 

Ob der Schwarm sich nun in unserer Buche wohl fühlt, bleibt spannend. Für große Ausflüge zur Nektarsuche und zur Erkundung der neuen Umgebung ist es erst einmal zu kalt.  


Vorbereitungen für diesen Tag:

Gerüstbau

Die ersten Schritte: Einen interessierten Förster finden. Einen geeigneten Baum aussuchen. Der Baum muss dick genug sein (in Brusthöhe mind. 90 cm Durchmesser). Es eignen sich grundsätzlich alle Baumarten. Sich für die geeignete Stelle am Baumstamm entscheiden. Besonders bei Buchen abfließendes Regenwasser beachten. Dann Gerüst bauen. Es dient in der erste Phase beim Aushöhlen und bei der Besiedlung. Nach ca. 6 Wochen nach der Besiedlung wird das Gerüst wieder abgebaut.    

Klotzbeutenbau

Als Vorbild dient der Bau einer Klotzbeute nach Art der Zeidler. Heute erleichtert die Kettensäge das Aushöhlen durch gezielte Schnitte. Ausgehöhlt wird der Stamm mit Hohldexel, Beiteln, Stech- und Brecheisen.   

Das Flugloch wird mit einem Fluglochkeil so verkleinert, dass zwei Schlitze das Ein- und Ausfliegen der Bienen ermöglicht, Vögel oder größere Insekten aber abgehalten werden. Am Ende wird das Arbeitsloch mit einem angepassten Spundbrett verdeckelt. Dieses Arbeitsloch dient der imkerlichen Betreuung. Zum besseren Schutz gegen Spechte, wird dieses durch ein Kissen verdeckt (ein Bündel Zweige).  

Naturschwarm

Wir verwenden einen Vorschwarm. Dieser erste abfliegende Naturschwarm im Jahreszyklus hat eine begattete Stockmutter. Sie hat sich bereits als vitale „Königin“ bewährt. Zurückgelassen wird im Muttervolk eine Vielzahl verdeckelter Schwarmzellen mit „Jungköniginnen“, die i.d.R. eine Woche später schlüpfen. Naturschwärme sind physiologisch auf einen Neuanfang als Bienenkolonie vorbereitet. Sie sind optimal zusammengesetzt und stimuliert, ihr Honigmagen hält Futterreserven für rund 3 Schlechtwettertage bereit. 

 

Zurück bleibt ein Altvolk mit wenig Flugbienen, großen Futterreserven, viel verdeckelter Brut und deren Parasiten ggfs. auch mit Krankheitserregern. Die Zukunft des Altvolkes liegt in der Hand einer jungen unbefruchteten Königinn, die ihren Hochzeitsflug noch vor sich hat. So teilen sich Vor-, Nachwärme sowie Altvolk das Risiko einer ungewissen Zukunft, die vor allem abhängig ist vom Wetter.

 

Hat man keinen Naturschwarm zur Hand,  kann für ein derartiges Besiedelungsprojekt  auch auf einen sog. Kunstschwarm mit junger, begatteter Königin zurückgegriffen werden. Bei der Arbeit mit Kunstschwärmen kann in der Anfangsphase der Besiedlung, neben anderen wichtigen Aspekten der guten imkerlichen Praxis, keinesfalls auf eine bedarfsgerechte 0,7:1 Flüssigfütterung (Zucker-Wasser-Verhältnis) verzichtet werden. Der Grund dafür ist: Ein Kunstschwarm ist unvorbereitet  vom Imker zum Neuanfang gezwungen worden. Bei optimaler Betreuung gleicht sich im späteren Verlauf die Entwicklung des Kunstschwarmes der des Naturschwarms an. 


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