Wildlebende Honigbienen: Haben sie eine Chance?

In diesen Buchenstamm im Deisterkessel in Springe ist wahrscheinlich im Mai 2020 ein Bienenvolk eingezogen. Das Flugloch zeigt nach Westen. Wir vermuten, dass es bei einem Imker ausgebüxt ist. 

Die Chancen, dass dieses Bienenvolk den nächsten Winter überlebt, sind nicht groß. Denn das Volk ist da oben auf sich allein gestellt. Kein Imker kann helfen. 

Warum fällt der Honigbiene das Überleben ohne imkerliche Betreuung so viel schwerer, wenn sie es in der 30 Millionen Jahre andauernden Evolutionsgeschichte immer konnte? 

Ganz sicher spielen die diversen Belastungsfaktoren der Neuzeit durch intensive Land- und Forstwirtschaft, imkerliche Betriebsweisen und nicht zuletzt die vor fast 50 Jahren eingeschleppte Varroamilbe eine Rolle. Heute kommt kein Imker mehr ohne chemische Behandlungsmittel aus. Die Honigbiene scheint behandlungsabhängig geworden zu sein. Damit hat speziell die wildlebende Honigbiene ein existentielles Problem und letztendlich auch unser Ökosystem, zu dem sie gehört. Allein der Varroamilbe die Schuld dafür zu geben, wäre zu kurz gedacht. Wir interessieren uns deshalb nicht für spezielle Behandlungsmethoden gegen die Milbe, sondern für die ursprünglichen und natürlichen  Lebensbedingungen wildlebender  Honigbiene. Wie hat die Honigbiene es geschafft, die diversen Belastungen der vergangenen 30 Millionen Jahre erfolgreich zu überstehen? Und was können wir daraus lernen? 



Anfang Oktober 2020: Die ersten Beobachtungen aus der Nähe


Der Wunsch in diese natürliche Baumhöhle hineinzuschauen, ohne das Treiben der Bienen zu stören, war groß. Vorher mussten aber 14 m Höhe an einem bis zum Flugloch astfreien Buchenstamm überwunden werden. Gar nicht so einfach, weder für den Menschen, noch für viele andere Räuber. Dieser Ort bietet Schutz vor einer Vielzahl von Feinden. Mit moderner Baumklettertechnik und Mut war diese Höhe aber gefahrlos zu überwinden.  

 

Anfang Oktober haben wir uns mit aller Vorsicht dem Bienenvolk genähert. Die Bienen blieben sehr friedlich, weil wir vorsichtig vorgegangen sind und ihr Nest nicht antasten wollten. Uns interessierten Wabenbau, Höhlenvolumen, Makro- bzw. Mikrofauna, Hinterlassenschaften der Vorbewohner in der Höhle. Hier unsere ersten Beobachtungen vom 2. Oktober: 


 

Die Höhle scheint deutlich größer als eine frisch angelegte Buntspechthöhle (ca. 12 Liter). Das deutet darauf hin, dass sich durch Verrottung und durch diverse Nachmieter das ursprüngliche Volumen vergrößert hat.

Die Höhle erstreckt sich vom Flugloch gesehen mehr nach oben. Hier haben die Bienen den Hohlraum vollständig mit Waben ausgebaut.

Mit unserer endoskopischen Kamera war es bisher nicht möglich bis zur Höhlendecke vorzudringen.

 

 

Das Flugloch ist oval und 6 x 5,5 cm groß. Die Höhle könnte von einem Buntspecht angelegt sein. 

Am Flugloch ist bei 20°C mäßiger Flugbetrieb zu beobachten.

Einige Bienen tragen gelben Pollen ein.

Auf die erste Überraschung stoßen wir an der Decke des Fluglochs. Sie ist mit einem Mineralgemisch verputzt. Die Bienen scheinen es zu mögen. Wie kam dieses Gemisch mit kleinen, fast Linsen großen Steinen hierher? Die Bienen waren es sicher nicht.  Wir vermuten, dass es Reste von einem Kleiber sind. Er nistet in vorgefundenen oder selbstgehackten Baumhöhlen, deren Eingänge und Innenwände er mit Lehm verschmiert und damit verkleinert. 

In der Höhle sehen wir kleinere und größere unbebrütete Randwaben. Wabenreste aus Vorjahren sind nicht zu erkennen. 

Auf den Höhlenboden stoßen wir schon nach ca. 10 cm.

Aufgrund der schlechten Bildqualität unserer semi-professionellen endoskopischen Kamera erkennen wir am Höhlengrund schemenhaft ein verlassenes Vogelnest. Es sieht aus, als wäre es vor nicht langer Zeit verlassen worden. Leere Eierschalen sind zu erkennen. Was ist hier passiert? Welcher Vogel hat hier gebrütet? Sind es die Schalen des Kleibers? 

Durch die bewegten Bilder im anliegenden Video erkennen wir, dass das Vogelnest belebt ist. An vielen Stellen bewegt sich etwas. Sogar Varroamilben konnten wir identifizieren. 



Wir fahren behutsam ins Innere der Baumhöhle:

Waldbiene e. V.

Warener Straße 44 - 31832 Springe

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