21. Feb. 2021: Das Volk lebt noch

Der erste Besuch an einem der ersten warmen Tag (ab 10°C) im neuen Jahr ist immer spannend: Haben die Bienen den Winter überlebt? Fliegen sie und bringen Pollen* heim? 

*Pollenhöschen werden schon sehr früh im Jahr, z. B. vom Haselstrauch, eingeholt. Sie sind ein sicheres Unterscheidungsmerkmal zu räubernden Bienen, die in diesen trachtlosen Zeiten oft auf Beutezug sind. Ein sicheres Merkmal für Räuberei ist zudem ein schmutzig verklebter Fluglochbereich: Räuber putzen sich vor dem Eintritt in ein fremdes Haus nicht die Füße. 

Ja sie fliegen, zwar spärlich aber eindeutig. Zu vernehmen ist ein gleichmäßiges Gebrumme. Auf Klopfzeichen reagieren sie kurz und eindeutig . Der Höhlenboden und das Klima wirken trocken. Nur wenige tote Bienen liegen am Boden, ein normaler Totenfall im Verlauf eines Winters. Ich finde am Boden ca. 20 Milben. Der letzte Kontrollbesuch ist etwa zwei Monate her. Ist dieser Milbenfall besorgniserregend? Je nach Volksstärke können 20 Milben im Boden schon grenzwertig sein: 20 Milben in 56 Tage = 0,4 Milben/Tag durchschnittlicher natürlicher Milbenfall. Der Grenzwert in dieser Zeit liegt bei 0,5! 

Aber, wie stark ist das Volk? Wie groß sind die Futtervorräte? Diese Fragen lassen sich an dieser Baumhöhle nur schwer beantworten. Das Volk sitzt weit oben im Baumstamm und ist nur zu hören, aber nicht zu sehen. Die Position der Wintertraube, leere ehemalige Futterrandwaben (soweit es mein sehr begrenzter Einblick erlaubt) und mein Bauchgefühl sagen mir: Die Honigvorräte könnten knapp werden. Ich sorge mich. Ich stelle ein kleines Döschen (Fischermansbox) mit 200g Honig auf den  Boden der Höhle. Es bleibt spannend! Aber, wie stark ist das Volk? Wie groß sind die Futtervorräte? Diese Fragen lassen sich an dieser Baumhöhle nur schwer beantworten. Denn das Volk sitzt ziemlich weit oben im Baumstamm und ist deshalb nicht zu sehen sondern nur zu hören. Mein Bauchgefühl sagt mir aber: Die Honigvorräte könnten knapp werden. Ich stelle ein kleines Döschen (Fischermansbox) mit 200g Honig in die Höhle. Es bleibt also spannend. 

 

4 Tage später: 

Die Fischersmansbox ist leer gefressen. Zurückgeblieben sind 5 tote Milben. Ich fülle die Box erneut mit Honig auf. 



24. März 2021: Das Volk ist verhungert


Das ging schneller als befürchtet. Das Volk ist verhungert. Der Höhlenboden ist dicht mit Bienen bedeckt. Alle haben ihren Rüssel ausgefahren (Bild links und rechts). In den Waben ein typisches Bild: Viele Bienen stecken kopfüber  in den Zellen (Bild Mitte). 

Spekulationen helfen hier nicht weiter, das Forschen nach Ursachen gibt uns wichtige Hinweise… zum Leben und Tod … zu den Ursachen, die zum Tod geführt haben könnten. Zu diesem Zweck räumen wir alle Bienenwaben aus. Gezählt wurden ca. 5000 tote Bienen. Der Milbenbesatz war gering. Nur nach langem Suchen entdeckte ich eine (siehe Bild rechts). 

Die Bruchstücke des vollständigen Bienennestes sind auf dem obigen Foto zusammengefasst: Wir sehen beidseitig ca. 0,80 m2 Wabenfläche mit Arbeiterinnenbau und einem sehr geringen Anteil Drohnenbau. Es war weder Honig, Pollen oder Brut zu finden. 


Das leergeräumte Bienennest von innen

Das Innere der Baumhöhle vor dem Einzug der Bienen: Am unteren Rad die beiden Fluglöcher. Die Oberfläche des Inneren ist staubig und unwegsam. Lockere Holzreste und kleinste morsche Holzstückchen hängen herunter. 

Nachdem die Bienen hier fast ein Jahr gehaust haben, hat sich das Innere deutlich verändert. Ähnlich wie auf dem Bild links, sieht man am unteren Rad die zwei Fluglöcher. Links oberhalb davon hat sich Schimmel gebildet. Ansonsten ist sie frei davon.  Das gesamte Innere ist gesäubert, Ritzen und Fugen sind mit Propolis mal mehr, mal weniger verschmiert worden. Die Bauweise war chaotisch. Es dominierte der Kaltbau.



Auswertung zur Todesursache:

Der (wieder einmal) viel zu große, einlogierte Bienenschwarm (Mitte Mai, 2,9 kg) hatte seine kleine Höhle zügig in 9 Tagen mit Wabenwerk ausgebaut. Das wissen wir aus dem Vorjahr. Aber was passierte danach? Warum sind sie schon so frühzeitig im Frühjahr verhungert? Hilfreiche Aufschlüsse darüber versuchen wir aus den nun freigelegten Waben abzuleiten:

 

Die beidseitige Wabenfläche entsprach knapp 40.000 Arbeiterinnenzellen, bei sehr geringem Drohnenbauanteil. In einer Magazinbeute entspräche das einem genutzen Höhlenvolumen von nur 14 Liter.

40.000 Zellen hat eine durchschnittliche Königin in 20 Tagen durchgebrütet. Berücksichtigen wir die zusätzlich eingetragenen Honigvorräte von geschätzten 3 kg, die ca. 10.000 Zellen blockieren (am 19. Mai war das große Blühen bereits vorbei, es gab nur noch Läppertracht), so muss die Königin schon deutlich früher das gesamte Brutnest belegt haben. Das zwangsläufig nachfolgende „Aus-der-Brut-Gehen“ leitet – vor allem auch bedingt durch die großen Bienenmasse – Schwarmstimmung ein. Sehr wahrscheinlich schwärmt die Königin ein zweites Mal in diesem Jahr ab. Das war vermutlich mit Beginn der Lindentracht, nur 4 Wochen nach ihrem Einzug. Phänologisch ein ungünstiger Zeitpunkt: Das verbleibende Volk verliert mit dem zweiten Schwarm viele Flugbienen und kann die bis die Anfang Juli dauernde Lindentracht nur unzureichend nutzen. Dieser wichtige Vorratsaufbau fehlt für die Überwinterung und könnte für das Verhungern Ende März verantwortlich sein. Dabei spielen natürlich auch die in diesem Frühjahr sehr ungünstigen Witterungsverhältnisse eine große Rolle: Bei milderem Temperaturverlauf (Frühjahr 2020) hätte es das Volk eher aus eigener Kraft schaffen können. Das Wetter nimmt aber bekanntlich keine Rücksicht und stellt das Leben manchmal auf eine harte Probe. 

 

Wir rekonstruieren den Verlauf weiter: Nach dem 2. Schwärmen schien alles seinen Gang zu gehen: Die junge Königin startete nach rund 3 Wochen mit ihrer Eilage und baute ein neues Volk auf. Die geringe Futterkappe ermöglichte es ihr, ein ausgedehntes Brutnest bis an die Höhlendecke anzulegen: Am Wabenbau ist abzulesen, dass er fast vollständig mehrfach bebrütet wurde, bis hoch zum Ansatz der Waben. Dieser Volksaufbau fiel wahrscheinlich mit Ende der Lindentracht Anfang Juli in eine trachtlose Zeit. Das Sammeln eines Wintervorrats von mindestens 5 bis 8 kg war scheinbar so spät im Jahr 2020 nicht mehr möglich. Und so verhungerte das Volk im März 2021.

 

Die genaue Untersuchung der verendeten Bienen lies keine Rückschlüsse auf eine extreme Varroaparasitierung zu (nur nach langem Suchen war eine Milben unter den toten Bienen zu finden). Die Bienenenge ist mit rund 500 g (zumindest in künstlichen Beuten) allerdings grenzwertig für die Erhaltung des winterlichen Wärmehaushaltes.

 

Wie wir aus dem Wabenwerk glauben ableiten zu können, ist das Hutewald-Volk im Herbst aus der Brut gegangen. Die geringe Volkstärke, verbunden mit grenzwertigen Futtervorräten haben vermutlich den natürlichen Bruteinschlag im zeitigen Frühjahr verhindert: In keiner Zelle des ausgeräumten Wabenwerks sind Reste eines unterkühlten Brutnestes zu finden. Selbst einzelne, „stehengebliebene“ Brutzellen, wie es für eine hohe Varroaparasitierung typisch gewesen wäre, sind nicht auffindbar. Wir schließen deshalb die Varroamilbe definitiv als Todesursache aus. Auch Probleme mit der Königin, wie Weisellosigkeit, sind aufgrund fehlender Nachschaffung-/ Umweiselungszellen wenig wahrscheinlich.  

Waldbiene e. V.

Warener Straße 44 - 31832 Springe

info.waldbiene@t-online.de

+49 (0) 05041-912533 

Gefördert durch: