Mit dem Forstamt der Stadt Springe hat der Verein Waldbiene e.V. ein Kooperationsprojekt gestartet. Uns wurde eine kräftige Buche zur Verfügung gestellt. Sie ist stark und groß genug, in ihrem Stamm eine Baumhöhle in ausreichender Größe (ca. 40 Liter) für ein Bienenvolk unterzubringen. Der Verein Waldbiene e.V. schuf im Rahmen des Workshops vom 22. bis 24. Februar 2019 diese Baumhöhle nach dem Vorbild der Zeidlerei. Damit ist eine geeignete und sehr naturnahe Behausung für Honigbienen geschaffen worden. Gleichzeitig erlaubt sie die intensive Beobachtung und eine imkerliche Betreuung. Eine Honigernte ist nicht vorgesehen. 

 

Am 2. Mai 2019 haben wir in diese Baumhöhle ist einen großen Naturschwarm einlaufen lassen. Er entwickelte sich zunächst gut. Bis zum Sommer entwickelte sich ein starkes Volk. Ab August ging es aber steil bergab. Durch starken Varroabefall sahen wir uns zum Eingreifen gezwungen. Leider kam die Behandlung zu spät. Mitte Oktober war das Nest verlassen. Die Baumhöhle mit einem großen Wabenwerk, 6 kg Honig, Pollen und wenigen Brutzellen wurde ausgeräumt und analysiert. 

 

Am 22. Mai 2020  wurde erneut ein Naturschwarm einlogiert. Das Volk entwickelte sich deutlich langsamer. Wieder war ein deutlicher Varroabefall zu beobachten, so dass wir uns für eine Behandlung entschlossen. Bis heute sind wir optimistisch, dass das Volk den Winter übersteht wird.  

 

Auf den folgenden Unterseiten 2019 und 2020 werden die Verläufe genau beschrieben.  


Vorbereitungen für den Beutenbau in einer lebendigen Buche

Gerüstbau

Die ersten Schritte: Einen interessierten Förster finden. Einen geeigneten Baum aussuchen. Der Baum muss dick genug sein (in Brusthöhe mind. 90 cm Durchmesser). Es eignen sich grundsätzlich alle Baumarten. Sich für die geeignete Stelle am Baumstamm entscheiden. Besonders bei Buchen abfließendes Regenwasser beachten. Dann Gerüst bauen. Es dient in der erste Phase beim Aushöhlen und bei der Besiedlung. Nach ca. 6 Wochen nach der Besiedlung wird das Gerüst wieder abgebaut.    

Beutenbau

Als Vorbild dient der Bau einer Klotzbeute nach Art der Zeidler. Heute erleichtert die Kettensäge das Aushöhlen durch gezielte Schnitte. Ausgehöhlt wird der Stamm mit Hohldexel, Beiteln, Stech- und Brecheisen.   

Das Flugloch wird mit einem Fluglochkeil so verkleinert, dass zwei Schlitze das Ein- und Ausfliegen der Bienen ermöglicht, Vögel oder größere Insekten aber abgehalten werden. Am Ende wird das Arbeitsloch mit einem angepassten Spundbrett verdeckelt. Dieses Arbeitsloch dient der imkerlichen Betreuung. Zum besseren Schutz gegen Spechte, wird dieses durch ein Kissen verdeckt (ein Bündel Zweige).  

Naturschwarm

Wir verwenden einen Vorschwarm. Dieser erste abfliegende Naturschwarm im Jahreszyklus hat eine begattete Stockmutter. Sie hat sich bereits als vitale „Königin“ bewährt. Zurückgelassen wird im Muttervolk eine Vielzahl verdeckelter Schwarmzellen mit „Jungköniginnen“, die i.d.R. eine Woche später schlüpfen. Naturschwärme sind physiologisch auf einen Neuanfang als Bienenkolonie vorbereitet. Sie sind optimal zusammengesetzt und stimuliert, ihr Honigmagen hält Futterreserven für rund 3 Schlechtwettertage bereit. 

 

Zurück bleibt ein Altvolk mit wenig Flugbienen, großen Futterreserven, viel verdeckelter Brut und deren Parasiten ggfs. auch mit Krankheitserregern. Die Zukunft des Altvolkes liegt in der Hand einer jungen unbefruchteten Königinn, die ihren Hochzeitsflug noch vor sich hat. So teilen sich Vor-, Nachwärme sowie Altvolk das Risiko einer ungewissen Zukunft, die vor allem abhängig ist vom Wetter.

 

Hat man keinen Naturschwarm zur Hand,  kann für ein derartiges Besiedelungsprojekt  auch auf einen sog. Kunstschwarm mit junger, begatteter Königin zurückgegriffen werden. Bei der Arbeit mit Kunstschwärmen kann in der Anfangsphase der Besiedlung, neben anderen wichtigen Aspekten der guten imkerlichen Praxis, keinesfalls auf eine bedarfsgerechte 0,7:1 Flüssigfütterung (Zucker-Wasser-Verhältnis) verzichtet werden. Der Grund dafür ist: Ein Kunstschwarm ist unvorbereitet  vom Imker zum Neuanfang gezwungen worden. Bei optimaler Betreuung gleicht sich im späteren Verlauf die Entwicklung des Kunstschwarmes der des Naturschwarms an. 



Infotafel zur Demobeute, Nähe Zeidlerbuche am Landschulheim der Tellkampfschule:


Waldbiene e. V.

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